Monthly archives "August 2017"

Me, Myself and Cheeky! Part II

Wisst ihr eigentlich wieviele Abteilungen so ein Unispital hat? Sogar Abteilungen in der Abteilung mit unterschiedlichen Namen gibt es. Im Nachhinein betrachtet, fühle ich mich wie eine Mischung aus der wahnsinnigen Grinsekatze aus Alice im Wunderland, dem Häschen welches durch das Labyrinth hoppelt und der Königin die gerne Köpfe rollen sieht!

1 Woche ist verstrichen, ohne den versprochenen Anruf des Krankenhauses mit dem Operationstermin. Ich rufe also im HNO Sekretariat Poliklinik (glaube ich zumindest) an und siehe da, Frau Arztgehilfin ist genau so wie ich es mir im vorherigen Blog gewünscht hatte. Nett, verständnisvoll und einfühlend! Sie telefonierte gute 20 Minuten mit mir, hörte sich meine Verwirrtheit an und meinte, Ihr früherer Chef sagte immer zu ihr, die Therapie beginne bereits mit dem ersten Telefongespräch! Ich wüsste da noch jemanden der etwas Nachhilfe gebrauchen könnte! 😉

Leider wusste sie nicht genau über meinen Fall Bescheid, da sage und schreibe drei Ärzte (allesamt Ober- oder Kaderärzte) involviert waren. VIP Leben läuft! Very Important Patient wohl bemerkt. Ich weiss noch nicht ob das gut oder schlecht sein soll, kommt aber auch nicht drauf an, da ich auf den Rückruf der nächsten Assistentin warten muss. Die rief dann tatsächlich ein paar Stunden später an, meinte aber, dass das Ganze von Arzt Nr. 1 zu Arzt Nr. 2 gehen würde. Herr Dr. Spezialist für Ohr- und Augentumore wurde bis dahin allerdings noch nicht erwähnt. Komisch, aber noch hinterfragte ich das nicht.

Mein erster Termin mit Arzt Nr. 3 steht. Er fragt mich nach der Geschichte was passiert sei. Schade hatte ich da nicht bereits Part I geschrieben, hätte viel Zeit gespart. „Hallo Herr Chirurg Nr. 2, lesen Sie als Hausaufgabe meinen Blog bevor ich komme. Bitte, Danke, Adee.“ VIP läuft! Vorgängig Important Patient, imfall! 🙂 Er schob an meiner Backe rum: „Lässt sich verschieben, sehr gut!“ Ich muss dazu erwähnen, dass Cheeky gemäss den MRI-Bildern komplett im Wangenmuskel eingeschlossen und scharfkantig war. Keine Berührung zur Ohrspeicheldrüse, ca. 2 auf 3cm gross und langsam bis gar nicht wachsend. Die Tatsache, dass Cheeky hin und her geschoben werden konnte, machte das Ganze noch „besser“! Er erzählte mir wie die OP in etwa ablaufen würde, ein paar Risiken und das Arzt Nr. 3, der Herr Dr. Spezialist mich operieren würde. Wir vereinbarten einen neuen Termin zur OP-Besprechung am 18.07.2017  und einen provisorischen OP Termin am 20.07.2017.

Wir gehen direkt weiter in die Anästhesiebesprechung. Die Ärztin Nr. 4 erklärt alle Risiken, auf die ich jetzt nicht näher eingehen werde, ausser…. „Da Sie intubiert werden müssen, wäre es möglich, dass wir Ihnen Zähne ausschlagen!“ Moment… bitte was?! Schon klar, dass muss ja erwähnt werden, allerdings missfällt mir der Gedanke, nicht nur Cheeky, meine Ohrspeicheldrüse und Lymphknoten, sondern auch gleich noch die Zähne hergeben zu müssen. (Nein ich bin nicht Organspenderin. Wartet mal… Zähne sind ja kein Organ… ich fühl mich wieder wie das Karnickel im Labyrinth!) „Sind Sie in der Bewegung eingeschränkt?“ Fragt die Dame ohne zu ahnen was jetzt kommt! „Nä-ä, allerdings bin ich im Kiefergelenk überbeweglich, könnten Sie also bitte, wenn der Schlauch wieder draussen ist, mein Kiefergelenk wieder einhängen?“ Sie schaut etwas verdattert, schreibt es auf und meint: „Gut zu wissen, haben Sie das sonst noch wo?“ „JA, an meinem ganzen Körper, Knie, Hüfte, Nacken, Schultern… wollen Sie mal sehen?“ Eigentlich meinte ich es nur gut, ist ja eine Ärztin also interessiert sie das doch sicher brennend. Sie schüttelt mit grossen Augen den Kopf und lehnte dankend ab.

Der 18.07. ist da, der Ehemann und ich sind wieder im Krankenhaus bei Arzt Nr. 2. „Bitte entschuldigen Sie, aber wir können Sie am 20. nicht operieren!“ Ja, hallo erstmal. Wieso denn nicht? Wir haben eine Doppelbuchung und bereits eine andere Patientin die dringender operiert werden muss. VIP ade! Very Irrelevanter Patient! Wir schieben den Termin also auf den 27.07.17 und ich darf all meine Organisation mit dem Studio wieder über den Haufen werfen!

Er erklärt mir sämtliche Risiken der Operation. Achtung es folgt eine laaaange Aufzählung: „Wir schneiden vom Ohr der Hautfalte entlang runter bis zum Hals.“ (Ein aktuelles Foto meiner Narbe findet ihr auf meinem Instagram account: Lyonee Jade …. Eigenwerbung *hust* Da kommt der Ich-wär-sogerne-youtuber- und bin-immernoch-zuoft-online-effekt wieder) Es ist möglich, dass wir an Gesichtsnerven vorbei müssen, die wir anhand elektronischer Impulse feststellen können. Bedeutet eine Teil-Gesichtslähmung wäre möglich. Die Ohrspeicheldrüse wird entfernt und eventuell zwei Lymphknoten im Hals. Kauschwitzen kann nach der OP u.a. eintreten. Es wird immer auch gesundes Gewebe um den Tumor entfernt, im schlimmsten Fall, kann es auch der komplette Wangenmuskel sein. Sie müssen dann eventuell Strahlen- oder Chemobehandlung haben. Und so weiter, und so weiter… Bitte hier unterschreiben! *Dong* Wieder fühle ich mich wie ein VIP, ein Verwirrt und Irritierter Patient!

Da noch eine Ultraschalluntersuchung ansteht, watscheln wir zurück ins Wartezimmer. Meine allererste Verzweiflung bahnt sich an. Lass uns scheiden, such dir ne neue mit der du glücklich werden kannst, ich werd nie wieder Pole betreiben können etcetera pp! An der Stelle wird mir das erste Mal bewusst, wie wichtig die Begleitperson ist und wie schlimm das Ganze für diese Person eigentlich sein muss. Menschen die dich lieben, haben genau soviel Angst wie du, nur mit dem Nachteil, nur zusehen zu können und sich hilflos zu fühlen.

Wir gehen in den Ultraschall, Cheeky ist nicht gewachsen und immer noch im Muskel scharfkantig eingekapselt. Ein gutes Zeichen! 🙂 Der Arzt sucht die linke, gesunde Seite ab und findet nichts, wieder super! Auch die Lymphknoten auf der rechten Seite scheinen normal zu sein. Ich werde langsam etwas ruhiger und schöpfe wieder Hoffnung!

Mein Chirurg, Arzt Nr. 3, der Spezialist, kommt kurz hinzu und wir lernen uns das erste Mal kennen. Für ihn bin ich wohl eine Patientin wie jede andere auch. Für mich ist er der Jenige, der mir am Gesicht rumschnippseln wird und somit verantwortlich ist, wie ich danach aussehen werde. Seine ruhige Art und der sichere, doch kaum spürbare Griff an meine Wange, überzeugen mich und obwohl das absolut absurd klingt, vertraue ich ihm auf Anhieb! Da ich mich bereits mit Methadon anfange zu befassen, kommt natürlich auch dieses Thema mit den Ärzten auf. Die Reaktion war wie erwartet. „Noch nie gehört, es gibt keine Studien dazu“. Wir lassen das Ganze mal so stehen.

Wir gehen nach Hause und warten auf den OP Termin.

Für mich die grosse Woche des Gefühlschaos. Ich wurde noch nie operiert, weiss nicht wie sich eine Narkose anfühlt, wie alles abläuft und habe panische Angst vor dem Zugang auf dem Handrücken. (Mein wirklich allergrösstes Problem!) Dementsprechend läuft eine Dauerschleife in meinem Kopf. Ich versuche mir die OP bildlich vorzustellen, mich auf das Gefühl des Einschlafens zu konzentrieren, zwicke mich dauernd in die Hand und versuche nicht Dr. Google zu befragen! (Habe ich übrigens auch nicht getan… Gott sei dank!)

Bis zum dritten Teil – der Operation. 😉

Adiöli und habt einen schönen Tag!

Jenny

Me, myself and Cheeky! Part I

Schatz, ich glaube, mir wächst eine dritte Backe!
Ein einziger Satz, eine einzige Beule und viel zu viel Aufmerksamkeit.

I am 7 days post-op. Das würden jetzt wohl amerikanische Youtuber in den Titel schreiben. Was sagt uns das? Ich bin kein US Youtuber? Ich bin kein Youtuber? Wäre ich gerne Youtuber? Shitake pilz (mein neues Lieblingswort für Shit!) ich bin definitiv zu oft online!!

Die Meisten werden sich jetzt denken, wieso schreibst du einen Blog über deine Operation/Krankheit?! Ganz einfach, weil ich will! Erstens redet ja keiner gerne darüber, weil man ja krank ist, wer gibt sowas schon zu. Zweitens hilft es anderen nur, wenn es öffentlich geht. Drittens muss ich dann nicht alles 10x erklären. 🙂 *ätsch* und viertens… es ist mal wieder selten!!

Eine wirklich kurze Erklärung wie alles begann. (Ja ich kann das! Kurz! Ohne 5 eingeschobene Nebensätze!)

Februar 2017: Ich kassiere „kläpper, Tritt und Böx“ in meiner Pole Stunde. Da haben sich zwei böse Fersen gegen mich verbündet und gedacht, der zeigen wir mal, dass nicht nur Arsch auf Eimer passt, sondern auch Ferse auf Wange!

März 2017: Die Autofahrt nach Hause war äusserst aufregend … not! Wie jeder normale Mensch, fummel ich mir da also im Gesicht rum und bemerke meine Beule auf der rechten Wange. Sau doof sowas, aber ganz ehrlich, bei mir normal.

April 2017: Der Zahnarzt meint, oh Sie sind ja Stressbeisser… da gibts eine Knirschschiene für Sie, die sollte auch gegen Ihre Beule helfen. Ihr Kaumuskel ist komplett verhärtet. Gehen Sie zum Hausarzt der Ihnen Therapie verschreibt. Zusätzlich müssen Sie sich dann noch die ausgebissene Versieglung wieder reparieren lassen. Die Schiene habe ich übrigens bis heute nicht gemacht. 😉

April + Mai 2017: Therapie für die Beisserchenmuskulatur. Wusste gar nicht dass es sowas überhaupt gibt. Mein armer Therapeut war nach 9 Sitzungen und keiner Verbesserung auch wirklich langsam Ende mit seinem Latein. Es folgte ein Hausarztwechsel und wieder die Diagnose: „Ja das ist definitiv der Muskel! Wir machen nochmal 9 Therapien“. Es folgte Triggern, Dry Needling (was übrigens höllisch weh tut!), noch mehr Behandlungen und ein noch verwirrterer Therapeut.

Juni 2017: Da ich keinem Arzt, aber meinem Therapeuten und vorallem meinem Mann glaube, gehe ich zu einem HNO-Gesichtschirurgen-ichkennmichaus-Spezialisten und siehe da, er glaubt auch, dass hier etwas nicht stimmt. Er war sich sicher, das ist nicht der Muskel. In dem Moment war „Cheeky“ geboren. Es folgte ein MRI und ein FNP. Wer mich kennt weiss, ich bin sehr lange sehr ruhig und geduldig, aber spätestens beim FNP kam mein Hosenscheisserich hervor. Beim MRI war ja noch alles total entspannt, gezwungener Massen denn ich reagiere allergisch auf das Kontrastmittel (Jod, was für ein geiler shit 😉 ), ergo war ich leicht high als ich beim Imamed wieder rausging, oder eher rausflog. *flyhigh*

Der nächste Tag. Ich war den ganzen Morgen komplett nervös. Obwohl mein HNO-Arzt versprach, es wäre nicht schlimm, hatte ich Angst als müsste ich nochmal zur Französisch mündlich LAP. An dieser Stelle muss ich gleich einmal loswerden, wie wichtig die Assistentinnen des Arztes sind. Sie sollten für den Patienten da sein, ihn beruhigen und einfühlend sein. Sollten! Meine war es nicht. Meine rollte mit den Augen, schaute mich an als wäre ich die 300ste, angst-ichhabekeineNervenmehr-Patientin des Morgens und der fleischgewordene Grund ihrer prämenstruellen dysphorischen Störung! Tat meinem bereits zitternden Kreislauf äusserst gut. Ich lag also da, der Arzt nadelte an meiner Backe rum und murmelte etwas von bleiben sie ganz ruhig. Ich hörte die Hormonschleuder auf der anderen Seite noch einmal genervt aufatmen und fing, sehr zu ihrem Leidwesen an zu hyperventilieren. Ging in diesem Moment ja auch um sie und nicht um mich… wie konnte ich nur so egoistisch sein?!? Nach 3 Einstichen, die wirklich kein bisschen schmerzten, war alles vorbei. Auch meine Nerven und sämtlich Schweisskanäle meines Körpers waren leer. Der Arzt verabschiedete sich, meinte ich solle sonst noch etwas sitzen bleiben und mir Zeit nehmen, seine Assistentin würde mir gerne noch helfen. „Ich warte dann vorne auf Sie!“, von wegen nimm dir Zeit! Etwas wackelig auf den Beinen lief ich also mit meinem Wasserbecher nach vorne, vereinbarte einen neuen Termin, wünschte ihr einen angenehmen Nachmittag und ging! („Ja auch“! war übrigens die Antwort *nowordsforthat*)

Übrigens: Bereits bei der Biospie (FNP) zeigte Cheeky sein „heimlifeisses“ Gesicht. Während des ersten Einstichs kam geronnenes Blut, was den Arzt doch sehr verwunderte. „Hmm… vielleicht ist es wirklich nur ein Hämatom.“ Leider waren mein Kreislauf und ich im 1. Körperkrieg (Weltkrieg kann man es ja nicht nennen, checksch? 🙂 ) und so bekam ich die Aussage nur am Rande mit. Heute weiss ich, es war der Beginn einer langen Untersuchungsreise für Cheeky.

Wir sind mittlerweile mitten im Juni, der Tag an dem Entschieden wird ob „Cheeky“ zur Adoption freigegeben wird ist da. Ich bin wieder bei meinem wirklichen netten und einfühlenden Arzt mit der immer noch nicht besser gelaunten Assistentin. „Hallo, Wartezimmer!“ war übrigens ihre Begrüssung. (Ich heisse zwar nicht Zimmer mit Vornamen Warte aber egal.) Mein HNO erklärt mir, dass da tatsächlich etwas bösartiges in meiner Backe wächst. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern was er gesagt hat, denn in diesem Moment geht einem ALLES durch den Kopf, nur nicht zuhören. Nicht optimal, aber so ist das halt. Er war erstaunt, wie gefasst ich die Diagnose aufgenommen habe. Könnte daran liegen, dass ich damit gerechnet habe, oder ich nicht glauben wollte, was ich da höre. Sie haben da einen bösartigen Tumor, das heisst Krebs. Wie soll man da positiv bleiben fragen sich wohl viele. Ich konnte / kann es, wenn auch mit Rückschlägen aber zu 90% klappts. Ich predige immer „der Geist steuert den Körper“ und daran glaube ich noch immer. Bösartig heisst nicht unbezwingbar. 😉 (Das als kleiner Aufsteller für Betroffene)

„Sie müssen dies unbedingt entfernen lassen, drinnen lassen geht auf gar keinen Fall“. Gut, Cheeky-Problemkind du wirst definitiv weggegeben. Er gab mir den Namen meines Chirurgen, ein wirklich angesehener Augen- und Ohrentumor Spezialist (oder auch Cheeky’s Adoptivpapa) und entliess mich in eine für mich, sehr ungewisse Zukunft.

Hatte ich damals Angst, mein Gesicht aufgeschnitten zu bekommen und eine riesige Narbe zu haben? Nicht wirklich und dafür gibt es eine einfache Erklärung oder Lebenseinstellung. Ich war nie der Typ-Mensch, der andere anhand ihres Aussehens bewertet. So bin ich beispielsweise ein Gegner von Kalorien zählen, weiblichem Bauchvergleichsyndrom, Muskelaufblaswettbewerben oder ähnlichem. Alle diejenigen die diesen Lifestyle leben, bitte nicht persönlich nehmen. Ich finde diese Disziplin, sein halbes Leben lang auf alles Mögliche verzichten zu müssen/wollen, wirklich bemerkenswert, meins ist es allerdings nicht. Gesund (obwohl dies auch wieder Ansichtssache ist) leben und auf sein äusseres achten JA, aber um jeden Preis? Ergo kann ich auch gut mit einer Narbe im Gesicht leben! Perfekt gibt es sowieso nicht und wer sagt eigentlich, dass Perfektion in der Symmetrie des Gesichts liegt? Die wirkliche Stärke liegt doch darin, zu seiner Vergangenheit zu stehen. Hey, darüber habe ich doch schon einmal geschrieben?! http://jennyspole.com/uncategorized/nicht-ohne-mein-tshirt/ (jojo ich weiss, Eigewärbig stinkt *hust*)

An alle da draussen, die schwere Zeiten durchmachen, krank sind oder einfach manchmal die Hoffnung verlieren. Denkt (oder versucht es wenigstens) immer positiv. Wer negativ denkt, zieht das Schlechte an. Ausserdem braucht euer Körper den positiven Geist! 😉

So genug gesülzt und Klischee bedient… Part II folgt bald. Dann mit meinen Operationserlebnissen, was auch eine Story wert ist. 🙂

PS: Ja das ist meine Ansicht einer Kurzgeschichte!

Adiosos 🙂