Me, Myself and Cheeky! Part II

Wisst ihr eigentlich wieviele Abteilungen so ein Unispital hat? Sogar Abteilungen in der Abteilung mit unterschiedlichen Namen gibt es. Im Nachhinein betrachtet, fühle ich mich wie eine Mischung aus der wahnsinnigen Grinsekatze aus Alice im Wunderland, dem Häschen welches durch das Labyrinth hoppelt und der Königin die gerne Köpfe rollen sieht!

1 Woche ist verstrichen, ohne den versprochenen Anruf des Krankenhauses mit dem Operationstermin. Ich rufe also im HNO Sekretariat Poliklinik (glaube ich zumindest) an und siehe da, Frau Arztgehilfin ist genau so wie ich es mir im vorherigen Blog gewünscht hatte. Nett, verständnisvoll und einfühlend! Sie telefonierte gute 20 Minuten mit mir, hörte sich meine Verwirrtheit an und meinte, Ihr früherer Chef sagte immer zu ihr, die Therapie beginne bereits mit dem ersten Telefongespräch! Ich wüsste da noch jemanden der etwas Nachhilfe gebrauchen könnte! 😉

Leider wusste sie nicht genau über meinen Fall Bescheid, da sage und schreibe drei Ärzte (allesamt Ober- oder Kaderärzte) involviert waren. VIP Leben läuft! Very Important Patient wohl bemerkt. Ich weiss noch nicht ob das gut oder schlecht sein soll, kommt aber auch nicht drauf an, da ich auf den Rückruf der nächsten Assistentin warten muss. Die rief dann tatsächlich ein paar Stunden später an, meinte aber, dass das Ganze von Arzt Nr. 1 zu Arzt Nr. 2 gehen würde. Herr Dr. Spezialist für Ohr- und Augentumore wurde bis dahin allerdings noch nicht erwähnt. Komisch, aber noch hinterfragte ich das nicht.

Mein erster Termin mit Arzt Nr. 3 steht. Er fragt mich nach der Geschichte was passiert sei. Schade hatte ich da nicht bereits Part I geschrieben, hätte viel Zeit gespart. „Hallo Herr Chirurg Nr. 2, lesen Sie als Hausaufgabe meinen Blog bevor ich komme. Bitte, Danke, Adee.“ VIP läuft! Vorgängig Important Patient, imfall! 🙂 Er schob an meiner Backe rum: „Lässt sich verschieben, sehr gut!“ Ich muss dazu erwähnen, dass Cheeky gemäss den MRI-Bildern komplett im Wangenmuskel eingeschlossen und scharfkantig war. Keine Berührung zur Ohrspeicheldrüse, ca. 2 auf 3cm gross und langsam bis gar nicht wachsend. Die Tatsache, dass Cheeky hin und her geschoben werden konnte, machte das Ganze noch „besser“! Er erzählte mir wie die OP in etwa ablaufen würde, ein paar Risiken und das Arzt Nr. 3, der Herr Dr. Spezialist mich operieren würde. Wir vereinbarten einen neuen Termin zur OP-Besprechung am 18.07.2017  und einen provisorischen OP Termin am 20.07.2017.

Wir gehen direkt weiter in die Anästhesiebesprechung. Die Ärztin Nr. 4 erklärt alle Risiken, auf die ich jetzt nicht näher eingehen werde, ausser…. „Da Sie intubiert werden müssen, wäre es möglich, dass wir Ihnen Zähne ausschlagen!“ Moment… bitte was?! Schon klar, dass muss ja erwähnt werden, allerdings missfällt mir der Gedanke, nicht nur Cheeky, meine Ohrspeicheldrüse und Lymphknoten, sondern auch gleich noch die Zähne hergeben zu müssen. (Nein ich bin nicht Organspenderin. Wartet mal… Zähne sind ja kein Organ… ich fühl mich wieder wie das Karnickel im Labyrinth!) „Sind Sie in der Bewegung eingeschränkt?“ Fragt die Dame ohne zu ahnen was jetzt kommt! „Nä-ä, allerdings bin ich im Kiefergelenk überbeweglich, könnten Sie also bitte, wenn der Schlauch wieder draussen ist, mein Kiefergelenk wieder einhängen?“ Sie schaut etwas verdattert, schreibt es auf und meint: „Gut zu wissen, haben Sie das sonst noch wo?“ „JA, an meinem ganzen Körper, Knie, Hüfte, Nacken, Schultern… wollen Sie mal sehen?“ Eigentlich meinte ich es nur gut, ist ja eine Ärztin also interessiert sie das doch sicher brennend. Sie schüttelt mit grossen Augen den Kopf und lehnte dankend ab.

Der 18.07. ist da, der Ehemann und ich sind wieder im Krankenhaus bei Arzt Nr. 2. „Bitte entschuldigen Sie, aber wir können Sie am 20. nicht operieren!“ Ja, hallo erstmal. Wieso denn nicht? Wir haben eine Doppelbuchung und bereits eine andere Patientin die dringender operiert werden muss. VIP ade! Very Irrelevanter Patient! Wir schieben den Termin also auf den 27.07.17 und ich darf all meine Organisation mit dem Studio wieder über den Haufen werfen!

Er erklärt mir sämtliche Risiken der Operation. Achtung es folgt eine laaaange Aufzählung: „Wir schneiden vom Ohr der Hautfalte entlang runter bis zum Hals.“ (Ein aktuelles Foto meiner Narbe findet ihr auf meinem Instagram account: Lyonee Jade …. Eigenwerbung *hust* Da kommt der Ich-wär-sogerne-youtuber- und bin-immernoch-zuoft-online-effekt wieder) Es ist möglich, dass wir an Gesichtsnerven vorbei müssen, die wir anhand elektronischer Impulse feststellen können. Bedeutet eine Teil-Gesichtslähmung wäre möglich. Die Ohrspeicheldrüse wird entfernt und eventuell zwei Lymphknoten im Hals. Kauschwitzen kann nach der OP u.a. eintreten. Es wird immer auch gesundes Gewebe um den Tumor entfernt, im schlimmsten Fall, kann es auch der komplette Wangenmuskel sein. Sie müssen dann eventuell Strahlen- oder Chemobehandlung haben. Und so weiter, und so weiter… Bitte hier unterschreiben! *Dong* Wieder fühle ich mich wie ein VIP, ein Verwirrt und Irritierter Patient!

Da noch eine Ultraschalluntersuchung ansteht, watscheln wir zurück ins Wartezimmer. Meine allererste Verzweiflung bahnt sich an. Lass uns scheiden, such dir ne neue mit der du glücklich werden kannst, ich werd nie wieder Pole betreiben können etcetera pp! An der Stelle wird mir das erste Mal bewusst, wie wichtig die Begleitperson ist und wie schlimm das Ganze für diese Person eigentlich sein muss. Menschen die dich lieben, haben genau soviel Angst wie du, nur mit dem Nachteil, nur zusehen zu können und sich hilflos zu fühlen.

Wir gehen in den Ultraschall, Cheeky ist nicht gewachsen und immer noch im Muskel scharfkantig eingekapselt. Ein gutes Zeichen! 🙂 Der Arzt sucht die linke, gesunde Seite ab und findet nichts, wieder super! Auch die Lymphknoten auf der rechten Seite scheinen normal zu sein. Ich werde langsam etwas ruhiger und schöpfe wieder Hoffnung!

Mein Chirurg, Arzt Nr. 3, der Spezialist, kommt kurz hinzu und wir lernen uns das erste Mal kennen. Für ihn bin ich wohl eine Patientin wie jede andere auch. Für mich ist er der Jenige, der mir am Gesicht rumschnippseln wird und somit verantwortlich ist, wie ich danach aussehen werde. Seine ruhige Art und der sichere, doch kaum spürbare Griff an meine Wange, überzeugen mich und obwohl das absolut absurd klingt, vertraue ich ihm auf Anhieb! Da ich mich bereits mit Methadon anfange zu befassen, kommt natürlich auch dieses Thema mit den Ärzten auf. Die Reaktion war wie erwartet. „Noch nie gehört, es gibt keine Studien dazu“. Wir lassen das Ganze mal so stehen.

Wir gehen nach Hause und warten auf den OP Termin.

Für mich die grosse Woche des Gefühlschaos. Ich wurde noch nie operiert, weiss nicht wie sich eine Narkose anfühlt, wie alles abläuft und habe panische Angst vor dem Zugang auf dem Handrücken. (Mein wirklich allergrösstes Problem!) Dementsprechend läuft eine Dauerschleife in meinem Kopf. Ich versuche mir die OP bildlich vorzustellen, mich auf das Gefühl des Einschlafens zu konzentrieren, zwicke mich dauernd in die Hand und versuche nicht Dr. Google zu befragen! (Habe ich übrigens auch nicht getan… Gott sei dank!)

Bis zum dritten Teil – der Operation. 😉

Adiöli und habt einen schönen Tag!

Jenny

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